Die Ausschreibungsfalle oder: Wie den passenden Videoproduzenten finden?

Warum sich die Richtigen oft nicht finden

Es könnte so einfach sein: Der Kunde veröffentlicht eine klar formulierte Ausschreibung für einen Film, der passende Videoproducer antwortet. Man trifft sich, klärt die Details und produziert. Leider funktioniert es oft nicht so, denn viele Ausschreibungen sind alles andere als eindeutig. Hier ein Beispiel von einer Vergabeplattform für Freelancer:

Benötigen Mitarbeiter zur Einrichtung und Pflege eines Youtube Kanals zu (Thema) Es müssen von dem Mitarbeiter Anwendungsvideos gedreht, geschnitten, gesprochen und eingestellt werden. Auf artverwandten Youtubekanälen soll Werbung platziert werden. Wir erwarten die Erstellung eines Marketingkonzepts zur zeitlichen Umsetzung aller Ideen. Gesucht wird ein charismatischer „Typ“ dem die Zuschauer gern zusehen und zuhören. Sie sollten sich mit dem Thema identifizieren können und auch in das Thema einarbeiten um die Aussagen überzeugend rüberzubringen. Wir erwarten viel Engagement und eigene Ideen

Eine solche Ausschreibung macht ratlos, ist doch unklar, was der Kunde will. Anscheinend eine Mischung aus Videoproducer, Marketingexperte und Host (Moderator), nur sind das drei verschiedene Jobs. Möglicherweise wird eine Art Influencer, Vlogger oder YouTuber gesucht, aber auch diese KollegInnen produzieren fast immer arbeitsteilig, zumindest wenn sie Profis sind. Anderes Beispiel:

Ich suche einen kreativen Filmemacher, der einen Werbespot erstellen kann. Der Werbespot soll mit realen Personen / Schauspielern sowohl mit Innen- und Außenaufnahmen realisiert werden. Das zu bewerbende Produkt ist (Kategorie). Gezeigt werden soll der Spot vor allem auf Social Media Kanälen. Da der Spot weltweit Beachtung finden soll ist erst einmal eine Vertonung in Englisch sinnvoll. Ich freue mich auf Resonanz mit einer ungefähren preislichen „Hausnummer“ für die komplette Umsetzung von Konzeption über Casting der Schauspieler bis hin zum fertig geschnittenen Spot.

Was der Verfasser nicht zu wissen scheint: Eine „preisliche Hausnummer“ zu nennen, ist auf Basis der spärlichen Informationen unmöglich. Wünscht der Kunde professionelle Schauspieler oder reichen Kleindarsteller? Soll im Badezimmer einer WG gedreht werden oder im Foyer des Adlon? Je nach Drehbuch und Kundenwünschen kann so ein Spot 2.000 oder 200.000 Euro kosten. Kein Produzent mit einem Minimum an Erfahrung wird sich darauf einlassen, die Herstellungskosten Pi mal Daumen zu schätzen. Genau das erwartet der Anbieter hier aber.

Die Falschen melden sich

Wie reagiert ein seriöser Videoproducer auf solche Anzeigen?

In der Regel gar nicht, weiß er doch aus Erfahrung, dass hier ein Verlustgeschäft droht. Die Wahrscheinlichkeit, dass er viel Zeit auf das Schreiben von X Drehbuchfassungen, Kalkulationen und Meetings verwendet, ohne dass daraus ein bezahlter Auftrag resultiert, ist hoch. Nun bekommen die Verfasser der Annoncen von solchen Vorbehalten nichts mit, vielleicht werden sie sogar mit Angeboten überschüttet – von Anfängern oder Leuten, die das Blaue vom Himmel versprechen. Enttäuschungen sind da programmiert, ebenso die aus Kundensicht logische Schlussfolgerung, dass die Filmwirtschaft unseriös ist. Dabei wollte er oder sie doch einfach nur „ein gutes Video“.

Wie lässt sich so ein Missmatch vermeiden?

Vorbereitung hilft

Kunden mit wenig Erfahrung empfehle ich, zunächst etwas Grundwissen zu sammeln. Ein guter Einstieg ist z.B. das Buch „Unternehmensfilme drehen“ von Wolfgang Lanzenberger und Michael Müller, das auch und vor allem die Perspektive des Kunden einnimmt.

Fachliteratur gibt Ihnen einen Eindruck davon, was mit welchem Budget realisierbar ist und was nicht. Nicht zuletzt hilft sie dabei, eine Ausschreibung präzise zu formulieren. Bei vorgeblichem Know-how aus dem Freundes- und Kollegenkreis rate ich hingegen zur Vorsicht. Im YouTube-Zeitalter hat so ziemlich jeder schon mal „einen Film gemacht“. Ebenso, wie jeder schon mal einen Ikea-Schrank zusammengebaut hat. Zum Möbeldesigner macht ihn das aber noch nicht.

Das Kommunikationsziel festlegen

Es hilft ungemein, ein paar Punkte vorab intern zu klären. Der wichtigste ist die Bestimmung der Kernbotschaft, die sich fast immer in ein bis zwei Sätzen formulieren lässt:

Wer sind wir und womit überzeugen wir unsere Kunden?

Welches Bild von uns soll der Film ihnen nahebringen?

Je eindeutiger Sie die Kernbotschaft festlegen, desto besser kann der Videoproducer sie in ein Konzept übersetzen. Wenn irgend möglich, wird er auch bei Ihnen vorbeischauen und sich selbst ein Bild von Ihrem Unternehmen machen. Umgekehrt gilt: Bei Produzenten, die eine „telefonische Motivbesichtigung“ für ausreichend halten, ist Skepsis angesagt.

Zielgruppe und Medienmix bestimmen

Allzweckvideos gibt es nicht. Filme für Endkunden müssen anders konzipiert werden als solche, die Geschäftspartner oder Experten erreichen sollen. Ebenso macht es einen großen Unterschied, ob das Video auf Facebook, Ihrer Homepage oder einem Messestand laufen soll. Ihr Videoproduzent wird Ihnen das gerne erläutern, aber entscheiden, wen der Film wo erreichen soll, müssen letztlich Sie.

Das ist keine Einschränkung, sondern primär eine Frage des Aufwands. Natürlich kann man mehrere Versionen aus demselben Rohmaterial anfertigen, aber nur innerhalb gewisser Grenzen. Schwierig wird es, wenn z.B. nachträglich aus einem konventionellen Imagefilm ein humorvoller Werbespot werden soll oder umgekehrt. Solche Entscheidungen muss man vor Drehbeginn treffen, und zwar eindeutig, sonst ist das Ergebnis -bestenfalls- bunte Beliebigkeit.

Reden wir über Geld

Viele Kunden legen sich ungern fest, was den Etat für ihren Film betrifft. Davon sollten Sie sich frei machen, denn nur auf Basis dieser Information kann ein Produzent Ihnen ein seriös kalkuliertes Angebot unterbreiten. Umgekehrt gilt: „Flatrate-Produktionen“, wie sie zuhauf im Web angeboten werden, können allenfalls Minimalstandards garantieren, wenn sich nicht gar eine Honigfalle dahinter verbirgt, die im Nachhinein teurer wird, als ein individuell kalkuliertes Angebot. Ähnlich wie bei supergünstigen Pauschalreisen stellen manche dieser Anbieter dann jede Kleinigkeit extra in Rechnung. Eine solide Basis für Sie wie auch für den Produzenten ist deshalb ein schriftliches Angebot, in dem Kosten wie auch der Umfang der vereinbarten Arbeiten aufgeschlüsselt werden. Zahl der Drehtage, Zahl der Umschnitte und vieles mehr. Manche Produzenten werden Ihnen einen umfangreichen Produktionsvertrag vorlegen. Dagegen ist nichts einzuwenden, bei kleinen Produktionen ist es aber eher unüblich.

Den Produzenten klug auswählen

Generell würde ich beim ersten Videoprojekt Vergabeplattformen meiden und selber suchen. Das ist zwar scheinbar mehr Arbeit, erspart Ihnen aber Dutzende Mails oder Anrufe von Möchtegern-Profis. Auch würde ich nicht unbedingt die Ergebnisse wählen, die bei Google ganz oben stehen, zeigt das Ranking doch lediglich, dass der Videoproduzent umfänglich in SEO und AdWords investiert hat. „Videofabriken“, die zum Schnäppchenpreis und bundesweit Filme anbieten, liefern eher selten individuelle, handwerklich gut gemachte Produkte. Oft schicken sie nicht mal eigenes Personal, sondern greifen auf ein Netzwerk von Freiberuflern zurück. Es kommt dann nicht unbedingt der Beste zu Ihnen, sondern der mit dem kürzesten Anfahrtsweg.

Bundesarchiv, Bild 102-13619 / CC-BY-SA 3.0

Gleichzeitig ist regionale Nähe aber auch ein Positiv-Kriterium. Überall in Deutschland gibt es seriöse Videoproduzenten und im Gegensatz zu bundesweit agierenden Firmen haben sie in ihrer Region einen Ruf zu verlieren. Alternativ können sie nach Produzenten Ausschau halten, die auf ihre Branche spezialisiert sind, denn natürlich steigen die Chance auf ein gelungenes Video, wenn der Filmemacher schon im Thema ist. So habe ich z.B. umfängliche Erfahrung mit der Luftfahrtbranche sammeln dürfen und da lohnt es vielleicht sogar, mich für einen Dreh in Stuttgart anzufordern. Für eine Produktion über Hipster-Mode wäre ich aber zugegebenermaßen eher zweite Wahl, selbst für einen Kunden, der bei mir um die Ecke sitzt.

Nicht zuletzt ist wichtig, dass Ihnen der Stil eines Videoproduzenten gefällt und das ist schlichtweg … Geschmackssache. Sehen Sie sich die Arbeitsproben genau an! Mögen Sie die Kameraarbeit? Die Musikauswahl? Der Schnittrhythmus? Filmemachen ist eine kreative Tätigkeit und dabei entwickelt jeder seinen eigenen Stil und eigene Schwerpunkte, auch wenn ihm oder ihr das nicht zwingend bewusst ist. Der eine beherrscht den Reportagestil, der andere den animierten Erklärfilm und ein dritter produziert vielleicht brillante cineastische Spots. Was es nicht gibt, ist das Allroundgenie.

Ein Geschäft wie jedes andere

Kurz gesagt: Treffen Sie nach den oben genannten Kriterien eine Vorauswahl und kontaktieren Sie zwei oder drei Anbieter. Schildern Sie Ihre Wünsche so konkret wie möglich und nach ein paar Rückfragen wird Ihnen jeder Produzent gerne ein Angebot erstellen. Vergleichen Sie diese Angebote und treffen Sie eine Entscheidung! Ist die Kooperation auf diese Weise angebahnt, wird Ihr Produzent Sie Schritt für Schritt durch den Herstellungsprozess führen, bis hin zum fertigen Video.

„Also eigentlich wie bei jedem Geschäft?“ Exakt. Und wie bei jedem Geschäft sind Fakten und Zahlen nicht alles; das Bauchgefühl ist mindestens ebenso wichtig. Vertrauen Sie dem Produzenten? Klappt die Kommunikation mit ihm? Wenn Sie Ihren Videoproducer auf diese Weise auswählen, ist das zwar keine Erfolgsgarantie, aber zumindest haben Sie das Risiko eines Fehlschlags deutlich reduziert.

 

Amaran AL-MX : Das immer-dabei-Kopflicht?

Alt vs. neu

Seit fast 12 Jahren ist das Panther Romy 75-Kopflicht mein treuer Begleiter. Es hat nächtliche Demos oder Stars am Red Carpet erhellt und musste auch schon als Renovierungsleuchte oder Umkleidelampe bei Nachttauchgängen herhalten. Bereits auf meiner XH-A1 war es der „Dauerbrenner“.

Bis heute erreichen nur wenige LED-Kopflichter die Beleuchtungsstärke einer Romy, zudem sie robust und so einfach gebaut ist, dass man viele Reparaturen selbst vornehmen kann. Allerdings braucht man schon einen 12 V-Bleiakku, um sie anzuheizen und der bringt mit ausreichender Kapazität gut 2 Kg auf die Waage. Außerdem produziert ihr Halogenbrenner nur Kunstlicht, wenn höhere Farbtemperaturen gewünscht sind, muss gefiltert werden, kurz: für Hardcore-Einsätze ist sie weiterhin das Mittel der Wahl, als leichte immer-dabei-Aufhellung jedoch ungeeignet, besonders in Verbindung mit kleinen Kameras und wenn man allein unterwegs ist.

Glücklicherweise gibt es mittlerweile LED-Kopflichter, die buchstäblich in die Jackentasche passen und in vielen Fällen als Aufhellung ausreichen. Ich habe mich für das  Amaran AL-MX  von Aputure entschieden, das seit Anfang des Jahres auf dem Markt ist. Die Leuchte ist in etwa so groß wie ein Smartphone und liefert bei acht Watt Leistungsaufnahme immerhin eine Helligkeit 200 Lux in 1 Meter Entfernung. Die Farbtemperatur ist in fünf Schritten einstellbar, von 2.800 bis 6.500 Grad Kelvin und auch die Lichtleistung lässt sich stufenweise dimmen. Für Strom sorgt ein festverbauter 3,7 Volt Lithium-Polymer Akku mit 1.800 mAh, der über ein USB-C Kabel geladen wird. Unten im Bild: Die Amaran und die Romy 75 samt Akku im Größenvergleich.

Für manche ein Dealbreaker, ist die eingebaute Stromquelle für mich eher ein Kaufargument. Ich schleppe schon genug Batterien mit mir herum, weitere für das Kopflicht müssen nicht sein. Ob Lipos, die ja eher zu den „sensiblen“ Akkus gehören, dem harten Job in einem Kopflicht, einschließlich Hitze, Kälte und Nässe, dauerhaft gewachsen sind, wird sich zeigen.

Unboxing

Das Ganzmetallgehäuse der Amaran AL-MX wirkt solide, die Bedienelemente sind auf der Oberseite angebracht. Hinten wäre praktischer gewesen, denn sobald das Stativ voll ausgefahren ist, kann man sie nicht mehr sehen. Immerhin, keine fummelige, zeitraubende Menüsteuerung, sondern Druckknöpfe und zwei Schiebeschalter.

Zubehör gibt es reichlich, darunter zwei Diffusorscheiben unterschiedlicher Dichte, die per Magnet angebracht werden sowie eine Art Softbox, die mit Klettband montiert wird. Wie haltbar das ist, bleibt abzuwarten, bei mir löste sich das Klettband schon direkt nach dem Anbringen vom Lampengehäuse. Sollte man die Softbox verlieren, ist aber auch das nicht weiter tragisch. Der Kunststoff sieht aus, als sei er aus einem halbtransparenten Schnellhefter ausgeschnitten und ließe sich wohl auch exakt damit ersetzen. Schmelzen kann hier ohnehin nichts, schließlich produzieren die LEDs kaum Wärme.

Mitgeliefert werden zudem eine Transporttasche, ein schwenkbarer Blitzschuhaufsatz, Klebepads und ein USB-C Ladekabel, alles Sachen, die an Actioncam-Zubehör erinnern. Tatsächlich verfügt die Amaran über das übliche 1/4 Zoll-Gewinde, was sie kompatibel mit Befestigungslösungen anderer Hersteller macht. Wer die Leuchte also irgendwo anbringen möchte, findet genug Möglichkeiten.

Erster Test

Mit dem Aufsatz verschraubt passt die Amaran auf jeden Blitzschuh, allerdings löst sich der Verschluss an der Lampe, wenn man nur leicht dagegen stößt. Auch die Magnethalter der Diffusorscheiben arretieren lediglich mittelfest, bei „Kontaktsport“ mit Kollegen könnten sie sich selbständig machen. Aber das sind, wie gesagt, ja auch eher Einsatzfelder für robustere Leuchten wie die Romy.

Die Amaran erzeugt ein angenehm flächiges Licht mit wenig Helligkeitsabstufungen. Man kann auch einen Boostermodus zu aktivieren, der 30 Prozent mehr Leistung bringt, allerdings wird es dann aus Sicht des Interviewten unangenehm, außerdem hält die Leuchte ihn nur eine Minute lang durch und schaltet dann automatisch zurück. Ohnehin liefert die Amaran auch auf der kleinsten Helligkeitsstufe genug Licht, um einen Interviewpartner in rund 1 Meter Entfernung hinreichend aufzuhellen, sogar für meine AG-HPX250, die nicht unbedingt ein Lowlight-Monster ist. In diesem Modus soll die Leuchte nach Herstellerangaben fünf Stunden lang durchhalten, bevor sie wieder ans Ladekabel muss.

Doch wie sieht es messtechnisch aus? Da ich kein Luxmeter habe, musste mein alter Belichtungsmesser entstaubt werden.  Auf Maximum gestellt, lieferte die Amaran im Kunstlichtmodus und bei voller Leistung eine Blende von F 1,45 die Panther Romy schaffte F 2,83 aus der gleichen Distanz (bei Iso 200 und 1/60 Belichtungszeit). Klingt ernüchternd, aber: Wir reden hier von einem Match 8 Watt vs. 75 Watt! Zudem sinkt die Beleuchtungsstärke der Romy rapide, sobald man eine Blaufolie oder Toughspun oder gar beides davorklemmt und bei Veejay-typischen Interviewdistanzen von +/- 1 Meter ist das eigentlich immer nötig.

Die Praxis

Ihren ersten Einsatz hatte die Amaran bei einer Veranstaltung, die ich dokumentieren sollte. Als Kamera nutzte ich eine Nikon D5200, für die die Leuchte wegen der kleinen Abmessungen gut geeignet ist. Auch ihre zweite Stärke, die verschiedenen Farbtemperaturstufen, konnte sie im schummerigen Mischlicht des Veranstaltungsortes voll ausspielen. Das Bild unten wurde aus ca. zwei Metern Entfernung mit Diffusorscheibe vor der Leuchte aufgenommen. Anders als bei Halogen-Kopflichtern zucken die Menschen nicht sofort zusammen. Offenbar wird das eher flächige LED-Licht als weniger störend empfunden.

Sogar einen ungewollten Crashtest bestand die Amaran mit Bravour, fiel sie mir doch prompt aus ca. 1m Höhe auf den harten Hallenboden. Bis auf einen winzigen Lackschaden hatte das keinerlei Folgen. Allerdings: Nach ca. 30 Minuten Betrieb, nicht nur auf höchster Leistungsstufe, war der Akku leer. Nun erreichen Lipos erst nach mehreren Ladezyklen ihre volle Kapazität, aber sicher ist: Einen langen Drehtag würde die Amaran AL-MX ohne mehrere Ladezyklen, die jeweils rund eine Stunde dauern, nicht durchstehen. Dafür -oder auch, um die Leuchte längere Zeit am Stück einzusetzen- empfiehlt sich die Anschaffung einer Powerbank samt hinreichend langem Kabel. Immer noch handlicher und leichter, als Bleiakkus mitzuschleppen. Bestätigt hat sich mein Verdacht, dass sich die Magnethalter der Diffusorscheiben leicht lösen, wenn es etwas rauer zugeht. Hier sollte der Hersteller nachbessern.

Fazit

Die Amaran AL-MX gehört zu den leistungsstärksten LED-Kopflichtern ihrer Klasse, ein vollwertiger Ersatz für ein „erwachsenes“ Broadcast-Kopflicht ist sie nicht. Vielmehr eine kostengünstige Ergänzung, perfekt für leichte Kameras wie DSMs oder DSLRs, bzw. wenn absehbar ist, dass nur kurzzeitig eine Aufhellung benötigt wird. Immer-dabei-Kopflicht trifft es daher ganz gut und das zu einem Preis, bei dem man nicht wirklich viel falsch machen kann.

Und ein Nachtrag

Die meisten Testberichte enden … nun ja, eben mit dem Testbericht. Fair gegenüber dem Produkt ist das nicht immer, schließlich hängt viel von der längerfristigen Erprobung ab. Hier nun mein Nachschlag in Sachen Amaran. Inzwischen hat die Leuchte eine längere TV-Produktion mitgemacht, und zwar von der Sorte “Drehen, bis der Arzt kommt. ” Die Diffusorscheiben habe ich schnell ausgemustert, denn im Reportageeinsatz lösten sie sich ständig. Die von mir zuvor skeptisch beäugte “Schnellhefter-Softbox” mit ihrer Klettband-Arretierung bewährte sich hingegen hervorragend. Für die nötige Energiereserve sorgte eine Powebank, die ich für 15 Euro in bei einem Elekronikhändler erwarb. Sie passt in die Tasche der Amaran und kann in Drehpausen per USB-Kabel an die Leuchte gehängt werden. So ist die AL-MX immer ausreichend geladen und hält auch lange Drehtage durch. Meine Romy samt ihrer schweren Bleiakkus, die ich zur Sicherheit auch dabei hatte, musste ich kein einziges Mal einsetzen.

 

 

Möglich, aber tricky: Mehrspurtonaufzeichnung im Einmannteam

Veejays können normalerweise nur zwei Tonquellen aufzeichnen. Es geht auch mehr, wenn man die Tricks kennt

„Wir haben drei Protagonisten“, sagt die Produktionsleiterin. „Kannst du an deine Kamera drei Funkstrecken anschließen?“ Natürlich geht das nicht, denn keine mir bekannte Veejay-Kamera hat mehr als zwei Toneingänge. Für gewöhnlich ist der eine mit einem Kameramikrofon belegt, der andere mit einem externen Mikrofon, wahlweise wird dort das Signal aus einem Tonmischer eingespeist – und der wird von einem Tonassistenten bedient, mithin der zweiten Person in einem regulären EB-Kamerateam. Aber ein EB-Team ist eben kein Veejay mehr.

Die korrekte Antwort auf die Frage sollte demnach lauten: „Kein Ding. Mit einem Assistenten und der üblichen Tontechnik“. Sollte, denn in der Praxis kommt es eben doch immer mal wieder vor, dass ein Assi nicht verfügbar ist, zum Beispiel, weil die Zahl der Protagonisten erst kurz vor Drehbeginn feststeht. Wie dann mit dem Problem umgehen?

Einfach ist am besten

„Keep it simple!“ lautet die Regel Nummer Eins, die ein Videojournalist beherzigen sollte, das hat mich die Erfahrung gelehrt. Wenn möglich sollte man einer zweiten Person eine kabelgebundene Tonangel mit Richtmikrofon in die Hand drücken, um die drei Protagonisten damit abzunehmen. Das kann ein Autor/eine Autorin sein, sofern man zu zweit unterwegs ist, wahlweise ein „Freiwilliger“, den man vor Ort rekrutiert. Leider funktioniert diese charmant-einfache Lösung allenfalls bei statischen Setups, zum Beispiel einem Dreierinterview, denn reportagiges Tonangeln ist eine durchaus anspruchsvolle Tätigkeit. Sie setzt ein Maß an Erfahrung voraus, das sich nicht per Kurzeinweisung vermitteln lässt. Wenn unsere drei Protagonisten munter durcheinanderwirbeln, wie es bei Reportagen einfach dazugehört, nützt uns so ein „Ton-Bufdi“ daher wenig. Dann muss der Veejay eben doch selber ran.

Der Audiorekorder als Mischer

Er kann sich bei einem Geräteverleiher einen EB-Mischer wie das SQN-3 besorgen und über die Schulter hängen. Versehen mit drei Empfängern (und drei Mikros samt Sendern an den Protas) bekommt er so mit Glück eine brauchbare Vormischung. Der Nachteil bei der Sache: Wenn eines der drei zusammengemischten Eingangssignale aussetzt oder übersteuert, ist die gesamte Aufzeichnung ruiniert. Die bessere Lösung ist daher ein Audiorekorder, in meinem Fall ein Tascam DR 70D. Angeschafft hatte ich das Gerät eigentlich für die reine Tonaufzeichnung, aber dankenswerterweise hat er auch ein Line-Out, das sich via Adapterkabel problemlos mit einem XLR-Eingang der Kamera verbinden lässt. Und im Gegensatz zu einem reinen Tonmischer kann er eben auch aufzeichnen, sogar jeden Kanal separat. In besagter Situation nutze ich den DR 70D daher für beide Funktionen: Zum einen als Mischer, der drei oder sogar vier Tonquellen vormischt und zur Kamera „durchschleift.“ Zum anderen zeichne ich alle eingespeisten Tonsignale damit einzeln auf, so dass im Fall der Fälle Audiospuren nachträglich angelegt werden können, sofern die Summe, bzw. ein einzelner Kanal fehlerhaft sind.

Alles Einstellungssache

Zu beachten: Man sollte den Limiter auf allen Kanälen zuschalten, um etwas mehr Schutz gegen Übersteuerung zu haben. Ein Tonassi kann dann einfach betroffenen Kanal runterpegeln, als Veejay hat man dummerweise die Hände an der Kamera. Und natürlich muss man beide Geräte aufeinander abstimmen. Jeder klassische EB-Tonmischer kann dafür einen Pegelton erzeugen, Standard ist 1kHZ mit -18dB. Vor Drehbeginn „feuert“ der Assistent diesen Pfeifton einmal zur Kamera und stellt dort ebenfalls -18dB ein. Das geht auch mit dem Tascam, und zwar mit der Slate-Funktion. Diese elektronische Klappe kann man auch automatisch einpflegen, und zwar zu Beginn jeder Aufzeichnung. Das kurze „Tüüüt“ nervt im Betrieb ein bisschen, aber jeder Cutter, der die Töne nachträglich anlegen muss, wird dafür dankbar sein. Last but not least: Drei Funkstrecken plus Tascam, das sind zwölf (!) AA-Batterien oder Akkus. Wenn nur eine davon schwächelt, ist die  Aufzeichnung gefährdet, deshalb sollte jede bei Drehbeginn absolut frisch sein. Normalerweise löbliche Sparsamkeit ist hier fehl am Platz.

Keine Standardlösung

Heureka, unser Problem ist also gelöst, wir brauchen nie mehr Tonassistenten, keine teuren EB-Tonmischer ….  STOPP! Der Tascam DR 70D kostet nur rund 300 Euro, also weniger als die Hälfte eines professionellen EB-Tonmischers und natürlich wird da irgendwo gespart. Unter anderem ist das Ausgangssignal unsymmetrisch, was den Kabelweg zur Kamera störanfälliger macht, als z.B. bei einem SQN. Unabhängig davon bleiben genug andere Fehlerquellen. Drei Funkstrecken plus Mischer/Recorder, das sind sieben durchaus komplexe Geräte, die ein Veejay zusätzlich überwachen und steuern muss. Menüs können falsch eingestellt sein. Kabel, Steckverbindungen oder Batterien versagen. Frequenzen können gestört sein, kurz … Wenn man sich auf einen solchen Stunt einlässt, sollte man den Kunden auf die damit verbundenen Ausfallrisiken hinweisen. Und ihm dringend empfehlen, wenn irgend möglich beim nächsten Mal einen erfahrenen Tonassistenten für so einen Job mitzubuchen.

 

Als Veejay auf Tauchstation

Der Beruf des Journalisten hat Nebenwirkungen. Ständig mäandern private Interessen in den Themenpool hinein, bis irgendwann Hobby und Beruf miteinander verquickt sind. So bin ich begeisterter Sporttaucher und es war nur eine Frage der Zeit, bis ich auch anfing, unter Wasser zu filmen. Im Herbst 2017 legte ich mir dafür eine GoPro HERO 5 zu, die nach einigen Testläufen bei zwei Filmbeiträgen zum Einsatz kam, einer über Apnoe und der andere über Ostseewracks. Weitere Produktionen sind für diese Saison in Planung.

Das macht mich nicht zum Unterwasserfilm-Experten, aber für andere Veejays, die auch mal abtauchen wollen, sind meine Erfahrungen vielleicht von Interesse.

Warum GoPro?

Wer nach einer Unterwasserkamera sucht, hat eine Riesenauswahl, von professionellem Gerät in sündhaft teurem Gehäuse bin hin zu Billigware für unter 100 Euro. Was Letztere angeht, sprechen die Bewertungen bei Amazon und Co eine deutliche Sprache, Bild- und Verarbeitungsqualität sind oft unzureichend. DSLRs oder gar Proficamcorder mit Unterwassergehäuse wären hingegen Overkill, sowohl preislich als auch von der Masse her. Schließlich hat man bei so einer Produktion als Einmann-Team schon mehr als genug Gepäck, nämlich Tauchausrüstung plus das Überwasser-Equipment. Die GoPro HERO5 Black (mittlerweile gibt es Version 6) erschien mir als guter Kompromiss, weil sie auch an Land nutzbar ist, vor allem in Verbindung mit dem Gimbal des Herstellers, dem Karma Grip. Man kann Sie sogar an GoPros Karma-Drohne hängen.

Was man noch so braucht

Die Gopro 5 ist zwar laut Hersteller auch ohne Gehäuse bis 10m Tiefe wasserdicht, aber darauf möchte ich es bei einer 500-Euro-Kamera nicht ankommen lassen. Ich setze sie deshalb grundsätzlich mit dem optionalen Unterwassergehäuse (Super Suit) ein. Benötigt werden zudem eine Rig sowie zwei Unterwasserleuchten. Ich habe mich für Produkte von Cody Gear entschieden, nicht aufgrund intensiver Recherchen, sondern einfach weil der Tauchshop meines Vertrauens sie im Angebot hatte. Die Codylights bringen jeweils 1.500 Lumen und halten bei sparsamem Gebrauch problemlos zwei Tauchgänge durch. Hinzu kommt Kleinkram, der aber auch ins Geld geht. Klemmen, um die Leuchten mit der Rig zu verbinden, Silikatkissen, um Kondenswasser im Kameragehäuse aufzufangen, Silikonfett für die Dichtungen an den Leuchten und nicht zuletzt: Ein Spiralkabel mit Karabinerhaken, um die Kamera am Körper, bzw. dem Jacket zu sichern und zwar während des gesamten Tauchgangs. Da es immer mal wieder Situationen gibt, in denen man die Sicherung lösen muss (zum Beispiel vor dem Einstieg in ein Schlauchboot), habe ich zusätzlich eine Handschlaufe angebracht.

Für das ganze Zeug benötigt man eine Transportlösung, in meinem Fall eine umgebaute Werkzeugbox aus dem Baumarkt. Rückblickend war das die einzige Fehlinvestition, hätte ich doch für ähnlich viel oder wenig Geld eine gute Tasche speziell für Actioncams bekommen. Mehrere Hersteller bieten solche Produkte an.

Diverse Filter für den Über- und Unterwassereinsatz runden die Ausrüstung ab. An Land sind ND-Filter ohnehin ein must have, denn die GoPro hat keine Irisblende. Die Belichtung wird über Gain/Iso und Belichtungszeit reguliert, was bedeutet, dass man bei Tageslicht und ohne Graufilter schnell auf Verschlusszeiten im dreistelligen Bereich kommt – inklusive unschöner Shuttereffekte. Ich habe mir einen Satz preiswerter ND-Aufsteckfilter besorgt, die zwar nur mittelrobust sind, aber ihren Job tun. Unter Wasser sollte man einen Magentafilter dabei haben, wenn man in heimischen Gestaden dreht, wo die Gewässer oft grünlich sind. Wer in Blauwasser filmt, braucht hingegen einen Rotfilter, um Farbstiche zu vermeiden.

Die Kosten für diese -nach professionellen Maßstäben höchst bescheidene- Ausrüstung summierten sich auf 1.500 Euro. Klingt nach viel, ist aber relativ zu sehen. Noch vor wenigen Jahren wäre Equipment, das eine vergleichbare Bildqualität (bis 4K) liefert, mehrfach so teuer gewesen.

Im praktischen Einsatz

Vor dem Filmen unter Wasser kommt -genau- das Tauchen selbst. Erst nach rund 80 Tauchgängen fühlte ich mich bereit, eine Kamera mitzunehmen. Nun muss man nicht Jacques Cousteau sein, um gute Aufnahmen hinzubekommen, aber das Tarieren und sonstige Grundfertigkeiten sollte man schon sicher beherrschen. Wer unkontrolliert wegsackt, aufsteigt oder abtreibt, während er im Menü der Kamera herumfummelt, gefährdet nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die des Tauchpartners.

Überhaupt ist exzessive Fummelei am Gerät beim Tauchen kontraproduktiv, wobei die GoPro für eine Actioncam hier viele Möglichkeiten bietet. Man kann die Iso manuell einstellen, den Blickwinkel, den Weißabgleich und vieles mehr. In der Praxis hat es sich bei mir bewährt, die Iso auf 800 festzutackern, die Belichtungszeit auf 1/50 bei 25 B/S und den Blickwinkel auf „Wide“. Den Weißabgleich überlasse ich der Automatik, wobei es hilft zu wissen, dass die GoPro manchmal einige Sekunden braucht, bevor sie die richtige Farbtemperatur einstellt. Man kann ihr dabei helfen, indem man die Linse auf ein helles Objekt richtet, zum Beispiel Sand auf dem Grund. Noch besser ist natürlich eine weiße Schreibtafel, die der Buddy mitführt.

Was das Farbprofil angeht, bietet die GoPro 5 zwei Optionen, „GoPro“ und „Flat“. Erstere liefert den klassischen, prallen Look, während die zweite eine Art Log-Profil simuliert. Theoretisch hat das Charme, doch praktisch liefert das Material recht wenig Spielraum für die Farbkorrektur, zumindest bei Lowlight. Das mag am kleinen Sensor liegen, am Codec oder an beidem, jedenfalls belasse ich den Farbraum beim Tauchen auf Werkseinstellung.

Filterfragen

Ohnehin wichtiger als das Farbprofil ist der richtige Einsatz des Magentafilters und der Leuchten. Man findet dazu kontroverse Ansichten, und hier kommt meine:

Im Flachwasser und bei Tageslicht schaden sowohl Leuchten als auch Filter mehr, als sie nützen. Doch ab drei Metern bis ca. zehn Meter Tiefe macht der Einsatz des Magentafilters in heimischen Gewässern Sinn, denn dann wird’s im Wortsinne grün. Wer glaubt, er könne den Farbstich später in der CC wegfiltern, wird schnell ernüchtert sein. Auf dem Y/C-Display des AVID präsentiert sich grünstichiges Material so wie auf dem Bild unten als kompakte Wurst, die gegen Korrekturen weitgehend resistent ist. Grobe Farbstiche sollte man also besser von vornherein vermeiden.

Etwa in zehn Metern Tiefe beginnt eine Art Zwischenbereich; einerseits wird es nun dunkel, so dass der Einsatz der Leuchten notwendig werden kann, andererseits produziert das Restlicht weiterhin einen Grünstich, der nach Magentafilter ruft. Kann man beides kombinieren? Die Codylights haben mit 5.500 Kelvin ein tageslichtähnliches Spektrum, das der automatische Abgleich der Gopro in Verbindung mit dem Filter gerade noch bewältigt, selbst wenn es hier und da zu Farbstichen kommt (siehe Bild). „You can get away with it“, sagen wir mal so, zumindest bis es weiter unten richtig dunkel wird. Dann muss der Filter allerdings weg und die Leuchten haben ihren Soloauftritt.

Was noch zu beachten ist

Der Ton natürlich. Das eingebaute Mikro der GoPro kann man an Land getrost vergessen, unter Wasser funktioniert es paradoxerweise gut: Das typische Rauschen, Glucksen und die Blubbergeräusche eines Tauchgangs fängt es zuverlässig ein.

Ansonsten gleicht die Kameraarbeit im Wesentlichen der an Land, mit dem Unterschied, dass kein Zoom zur Verfügung steht. Die Distanz zum Motiv muss bewusst variiert werden, um verschiedene Einstellungsgrößen zu bekommen, sonst ist ein dröges Medley aus Halbtotalen die Folge. Auch hilft es, vor dem Tauchgang Zeichen für Regieanweisungen abzusprechen. „Vorgang wiederholen“ zum Beispiel oder „Einstellung im Kasten“. Abgesehen davon bieten sich Möglichkeiten, die sonst nur mit Hilfe von Drohnen, Gimbals oder aufwändiger Bühnentechnik zur Verfügung stehen. Man kann unter oder über Objekten hinwegfliegen und saubere Fahrten produzieren. Der Nachteil dabei: Man ist versucht, ständig herumzufahren, schon weil es beim Tauchen deutlich einfacher ist, in Bewegung zu bleiben als einfach nur reglos zu schweben. Als Veejay/Kameramann sollte man sich aber dazu zwingen, sonst ist der Frust beim Schnitt programmiert. Nicht zuletzt gilt: Den Stabi der Kamera ausschalten! Er frisst Auflösung und ist unter Wasser unnötig.

 

Videojournalist oder Videoproducer?

Die Frage dürften sich viele KollegInnen stellen, wenn sie über ihren Job nachdenken, denn unser Berufsbild wandelt sich laufend.

Als Videojournalismus in den Nullerjahren aufkam, lag das vor allem an der Digitalisierung. Videokameras und Schnittsysteme wurden so handlich, dass sie von einer Person bedient werden konnten. Gleichzeitig wurde die Technik günstiger, so dass schon zum Preis eines gebrauchten Kleinwagens eine professionelle Grundausstattung erschwinglich wurde. Mein Einstiegsmodell damals: Eine Canon XH A1 für gerade einmal 3.500 Euro, mit der ich sendefähig produzieren konnte (siehe Bild). Doch das war‘s im Grunde auch schon, was die Unterschiede zum klassischen EB-Team betraf. Wie jenes wurden die Veejays der ersten und zweiten Generation, aus der ich stamme, primär für reguläre TV-Produktionen eingesetzt. Recherchieren, Drehen, Schneiden, vielleicht noch eine grobe Tonmischung und gut, die Feinheiten der Postpro wurden vom Sender, bzw. von Fachpersonal übernommen.

Seitdem hat sich viel verändert, oft schleichend und insbesondere in den letzten fünf Jahren. Zum einen wurden Onlinevideo groß, mit Social Media sogar noch größer als erwartet. Zum anderen führten Medienstruktur- wie auch Finanzmarktkrise zu einem Umbau des Marktes. Alte Player wie dapd (Ex-ddp) verschwanden und neue wie AJ+ oder Zoomin.tv stiegen auf. Player, deren junges Personal fast keinen Bezug mehr zur TV-Branche hat und entsprechend eine andere Ästhetik bevorzugt. Distributionswege entstanden, die jene alte Ästhetik auch gar nicht mehr vertragen und vor allem; die nur noch reduzierte Budgets erlauben. Hinzu kamen neue Technologien: Großsensorkameras erzwingen eine andere Arbeitsweise als traditionelle Camcorder. Actioncams, Drohnen, 360-Grad-Video und Livestreaming haben Ästhetik und Aufgabenfelder erweitert. Integrierte Postproduktionslösungen wie die Adobe Creative Cloud, bzw. Final Cut Pro X lassen reine Schnitt-Apps wie AVID im Wortsinne „alt“ aussehen.

In der Folge ist die Produktionstiefe, die Veejays abverlangt wird, erheblich gestiegen. Er ist eben nicht mehr nur ein „Einmann-Team“, das die vordere Hälfte der Produktionskette abdeckt. Er hat den gesamten Ablauf zu beherrschen von der der klassischen Autorenarbeit bis hin zu Grafikdesign, VFX und Sounddesign. Wirklich komplett … ? Meine Antwort darauf fällt ambivalent aus. Einerseits ja, denn die Technik macht es eben möglich. Eine Kunde hat wenig Verständnis dafür, wenn der Videoprofi für die Erstellung einfacher visueller Effekte wie Bauchbinden oder Greenscreen-Shots horrende Aufpreise verlangt, wo doch selbst ein Zwölfjähriger das mit einer Smartphone-App hinbekommt. Daher stehen wir Videojournalisten in einem konstanten Wettlauf mit Technologieentwicklern und Usern oder anders gesagt: Wir müssen ständig dazulernen und investieren, selbst wenn das keine Mehreinnahmen beschert. Es geht schlichtweg darum, konkurrenzfähig zu bleiben.

Andererseits gibt es auch eine Grenze des Machbaren, besser gesagt des Zielführenden, die ich, gleichwohl sie sich ständig verschiebt, meinen Kunden zu kommunizieren versuche. So erstelle ich einfache visuelle Effekte natürlich zum normalen Stundensatz. Wenn aber vollwertige Animationssequenzen gefragt sind, stößt man auch mit Fortbildung an Grenzen, technischer Fortschritt hin oder her. Es gibt gut Gründe dafür, dass Illustratoren oder Motion Designer ein vollwertiges Studium absolvieren. Wo das Fachwissen und die Kreativität solcher und anderer ExpertInnen benötigt werden, landen wir eben doch wieder bei der guten, alten Arbeitsteilung – denn die Alternative wäre schlichtweg Pfusch.

Solche Grenzen ausloten und überzeugend darlegen gehört zu den Soft Skills, die Videojournalisten heute benötigen, womit sich zugleich ihr Aufgabenfeld verändert: Von reinen Journalisten werden sie zu Producern, die viel selbst erledigen, ebenso viel dazukaufen, gelegentlich auch nur noch mit Material von Content Providern arbeiten. Hier ist klassisches, filmwirtschaftliches Know-how gefragt, so wie das Erstellen von Kalkulationen, Finanzierungs- und Produktionsplänen.

Viele KollegInnen haben das verstanden und begeben sich auf diese durchaus spannende Reise. Andere haben den Schuss noch nicht gehört und für sie dürfte es bald eng werden. Der reine Veejay ist ein Auslaufmodell – die Zukunft gehört dem Videoproducer!

Hallo und willkommen!

In diesem Blog werde ich mehr oder minder regelmäßig Ideen und Gedanken zum Medienschaffen darlegen und von meiner Arbeit berichten. Mit Blick auf die Untiefen der DSGVO habe ich die Kommentarfunktion deaktiviert, aber Kommentare, Kritik und Anregungen per PM sind herzlich willkommen und ich werde sie hier gerne aufgreifen.